Donnerblume von Kirsten Roya Azal

Zur Eröffnung meiner Wanderausstellung “Erkundung in Natur & Mystik”

Am 22. Juli 2016 wurde eine Wander-Ausstellung mit einer Serie meiner Werke in Zossen in Brandenburg eröffnet. In diesen Werken beschäftige ich mich mit Licht, Dunkelheit, Form & Farbe – und mit der Dynamik zwischen Gut & Böse, sowie Licht & Dunkelheit aus einer sufistischen Perspektive.

Mehr Informationen über meine künstlerischen Arbeiten sind hier verfügbar:

http://www.earthangel.one/

Die Ausstellung wurde organisiert vom Netzwerk Demokratie & Menschlichkeit und wurde vom Land Brandenburg unterstützt – ich bin allen für das Engagement sehr dankbar. 

Dies ist meine Rede zur Ausstellungs-Eröffnung:

Guten Abend an alle hier Versammelten. Willkommen zur Aussstellungseröffnung von “Gott ist schön, und er liebt die Schönheit, Erkundungen in Natur und Mystik.” Mein Name ist Kirsten Roya Azal. Ich bin die Künstlerin.

Ich möchte Ihnen kurz die hier gezeigte Kunst und ihren Hintergrund erläutern.

Jeden Tag prasseln schlimme Nachrichten auf uns ein. Viele Fraktionen und Kräfte versuchen uns derzeit in ein neues Zeitalter der Dunkelheit und der Angst zu drängen.

Wir alle fühlen die Angst vor den Aktivitäten dieser Gruppen jeden Tag. Wir wissen aber auch: Genau dieses Gefühl und genau diese Angst wollen die Kräfte die hier am Werke sind in uns allen hervorrufen. Diese Kräfte wollen, dass unsere Angst und Verwirrung in blinde Wut umschlägt, unsere Trauer in Wahnsinn, und unsere Wut in Hass. Diese Kräfte brauchen den Hass und die seelische Dunkelheit des Hasses, um ihr Ziel zu erreichen.

Wie können wir das Gute triumphieren lassen? Wie können wir hoffen? Wie können wir alle weiter zusammen unsere Gesellschaft aufbauen und verbessern? Wie können wir weiter an das Gute in uns selbst und unseren Mitmenschen glauben?

Meine Kunst beschäftigt sich mit eben dieser Frage: Wie können wir in der Dunkelheit hoffen und das Gute sehen? Wo ist Gott, das Gute, und das Licht, wenn wir ihn (oder sie) brauchen?

Ich beschäftige mich als kreativer Mensch seit 15 Jahren mit dem Islam und islamischer Kunst, aber es benötigte einen existenziellen Schock, damit ich in tiefere Schichten des Verstehens eintauchen konnte und die universellen SeinsFragen des Menschen anders begreifen konnte. Diese Fragen werden in allen Religionen dargelegt, aber insbesondere im Islam und im Koran als dessen KernDokument ist die Schlacht um Gut und Böse im Einzelnen zentrales Thema.

Der Koran ist das Dokument eines Mannes, Muhammad ibn Abd Allāh, besser bekannt nur als Mohammed (a.s.), der vor circa 1600 Jahren tief traumatisiert um Lebenssinn und Glauben rang. Er kommunizierte mit Stimmen aus unsichtbaren Spheren und erlebte Wunder und Errettung dadurch, dass er den Ratschlägen und Weisungen Gottes und seiner Engel folgte. Diese Geschichte berührt jeden der jemals im Leben Unrecht erfahren musste und sich hilflos fühlte. Dies ist der Zauber des Islam. Der Islam spricht zu den Traumatisierten, den Verwundeten und den Verlorenen. Darin liegt seine Kraft, aber auch sein Potential zum Missbrauch.

Der existenzielle Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, Liebe und Hass, dem Guten und dem Bösen, Mitgefühl und Arroganz, Neid und Grosszügigkeit, mit all den Nuancen dazwischen, ist die Inspiration meiner Kunst, und die ästhetische Frage was für Farben und Formen aus diesem Kampf hervortreten.

Dies ist eine Frage, mit der sich auch muslimische Mystiker wie Najmuddin Kubra im 13. Jahrhundert in Iran beschäftigt haben. Najmuddin Kubra gibt unter anderem eine genaue Beschreibung der Offenbarung de Formen der farbigen Lichtern welche dem Gott-Suchenden erscheinen – sie erscheinen in Punkten, Kreisen und Scheiben. Grün ist Fruchtbarkeit, ewiges Leben, Nahrung und Hoffnung. Der Kreis ist das immer wiederkehrende, auf ewig Seiende Leben.

Blau wurde im islamischen Kulturraum und auch andersort lange als eine Variation des Grünen beschrieben. Im Arabischen bedeudet das Wort azraq “glitzern” und “schimmern”. Wozu einem ein glitzerndes, schimmerndes Meer von blauem Grün in den Sinn kommt. Oder die spherischen Schichten der Erde, wenn sich das Licht der Sonne und der Sterne und die Dunkelheit des Weltalls an der Athmosphere der Erde bricht und uns einen blauen Himmel beschert. Seit wann nur ist unser Himmel so blau wie wir ihn jetzt kennen. Und gab einmal andere Farben auf dieser Erde? Farben die wir nie gesehen haben?

Die Bilder-Gruppe “Die Atome Tanzen” beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Licht und Schatten und den Formen die sich aus dem Kampf zwischen Licht und Schatten hervorwinden, herausschälen, sichtbar werden, oder aber wieder sich auflösen und verschwinden. Schönheit wird nicht einfach gemacht. Sie kämpft hart für ihren Platz in der Welt.

Zum Abschluss möchte ich noch folgende berühmte Passage von Johann Wolfang von Goethe aus seiner “Harzreise im Winter” aus dem Jahre 1777 mit Ihnen teilen. Goethe beschreibt hier auf wunderbare Weise einen absolut magischen Moment.

„Auf einer Harzreise im Winter stieg ich gegen Abend vom Brocken herunter, die weiten Flächen aufund abwärts waren beschneit, die Heide von Schnee bedeckt, alle zerstreut stehenden Bäume und vorragenden Klippen, auch alle Baum und Felsenmassen völlig bereift, die Sonne senkte sich eben gegen die Oderteiche hinunter.

Waren den Tag über, bei dem gelblichen Ton des Schnees, schon leise violette Schatten bemerklich gewesen, so mußte man sie nun für hochblau ansprechen, als ein gesteigertes Gelb von den beleuchteten Teilen widerschien. Als aber die Sonne sich endlich ihrem Niedergang näherte und ihr durch die stärkeren Dünste höchst gemäßigter Strahl die ganze, mich umgebende Welt mit der schönsten Purpurfarbe überzog, da verwandelte sich die Schattenfarbe in ein Grün, das nach seiner Klarheit einem Meergrün, nach seiner Schönheit einem Smaragdgrün verglichen werden konnte.

Die Erscheinung ward immer lebhafter, man glaubte sich in einer Feenwelt zu befinden, denn alles hatte sich in die zwei lebhaften und so schön übereinstimmenden Farben gekleidet, bis endlich mit dem Sonnenuntergang die Prachterscheinung sich in eine graue Dämmerung und nach und nach in eine mond- und sternhelle Nacht verlor.“

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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Roya Azal

Kirsten Roya Azal - Künstlerin, Bloggerin, Geek.

Studio:
http://www.earthangel.one

Auf Englisch:
http://www.theartofislamichealing.com