Tausend Strahlende Sonnen

Menschenrechte, Frauenrechte: Tausend Strahlende Sonnen

“So wie eine Kompassnadel immer nach Norden zeigt, wird der anklagende Finger eines Mannes immer eine Frau finden. Immer.” ~ Khaled Hosseini, Tausend Strahlende Sonnen

Ich las mit Schwermut den Roman “Tausend Strahlende Sonnen” von Khaled Hosseini. Die Geschichte handelt vom Schicksal zweier Frauen in Afghanistan, von den 70ziger Jahren bis 2003. Es ist eine fein gezeichnete Story, die insbesondere auch die Entwicklung eines Haustyrannen – Rashid, der Ehemann der beiden Protagonistinnen – beschreibt. Solange die afghanische Gesellschaft Frauen beschützt, solange ist Rashid als Ehemann einigermassen erträglich, sobald die Grosswetterlage jedoch ins Faschistoide kippt und Frauen gesellschaftlich entwertet und entrechtet sind, avanciert Rashid zum unkontrollierbaren Haustyrann und Sadist. Es ist ein sehr anrührendes und realistisches Porträt eines “gewöhnlichen” Mannes unter autoritären Verhältnissen. Es ist für mich zweitrangig, dass der Mann sich als Muslim versteht. Es wurde mir schnell klar, dass der Autor Muslime und den Islam als solches wertschätzt, und in Rashid einen typischen Hausdiktator beschreibt, dem die gesellschaftlichen Verhältnisse Macht über Frauen und Kinder in die Hände spielen.

Pink

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Ich will dazu das Offensichtliche anmerken – dass Charaktere wie Rashid überall zu finden sind. Sie sind derzeit quasi wieder auf dem Vormarsch, und sie toben sich sehr öffentlich aus. Sie verbreiten chauvinistische Propaganda und Hass, nicht nur auf Kosten von Flüchtlingen, Migranten und Homosexuellen, sondern vorallem auch auf Kosten von Frauen. Ihr Drama sind vielfältige Demütigungen unter denen sie mehr oder weniger leiden, und die sie an Frauen – als gefälligst dienstbare Fussabstreifer – weitergeben wollen. Der britische Guardian gab an, dass von den 10 Journalisten, die auf ihrer Webseite von Trollen am vehementesten attackiert werden, 8 Frauen sind. Die Konsequenzen solcher Propagandakampagnen – die dazu geschaffen sind das Absurde und die Demütigung durch politische Macht zur Norm zu erheben – sehen wir jetzt: In USA wurde im November 2016 ein Präsident gewählt, der sich ganz offen als Frauenächter mit Neo-Faschistischen Affinitäten zu erkennen gibt – und dafür belohnt wird. Wenn das Absurde zur Norm wird…. Was all dies für Frauen weltweit bedeuten wird, wird sich alsbald herausstellen.

„Jede Schneeflocke ist der Seufzer einer gekränkten Frau irgenwo auf der Welt. Alle Seufzer steigen zum Himmel empor, verdichteten sich dort zu Wolken und zerbrechen in winzige Teile, die dann lautlos auf die Menschen herabfallen.“ ~ Khaled Hosseini

In Deutschland, in USA und in England, traf ich in den letzten Jahren viele Frauen, denen es unmöglich gemacht wird, aus missbrauchenden Beziehungen auszusteigen. Sie werden meist über die Kinder in diesen Beziehungen gehalten – im Namen des Kindeswohls, Mütterhass, Männerrechten, chauvinistischem Verständnis von Gerechtigkeit als dem Recht des Stärkeren und in sich verdrehter Gleichberechtigung die gegen die Opfer der Ungleichheit ausgelegt wird, sozusagen im Salto rückwärts. Was ist am Schicksal einer britischen Frau, welche ihren Ex wegen Vergewaltigung anzeigt und der daraufhin die Kinder weggenommen und durch ein Familiengericht innerhalb von 6 Monaten zwangsadoptiert werden, so anders, als das Schicksal einer afghanischen Frau, die von einem Taliban-Schnellgericht zur öffentlichen Auspeitschung verurteilt wird, weil sie ihren Eheman-Peiniger zu entfliehen versucht? Hie wie da werden Frauen die sich wehren, an den Pranger gestellt, empfindlichst bestraft, herabgewürdigt, ignoriert und gesellschaftlich verleumdet, immer in einer wundersamen Umkehrung der wahren Verhältnisse. Ja, es scheint, dass der Verlust der Würde, den viele Männer unter der Globaliserung erleiden, durch eine schleichende Entwürdigung der Frau wettgemacht werden muss.

Und auch in deutschen Gerichtssälen und Behörden, sehe ich immer öfter viel Absurdes zum Nachteil der Schwächeren, und immer vorallem zum Nachteil von Frauen und Müttern. Es sei hier unter anderem auf Norbert Blüm’s Buch “Einspruch” verwiesen, in welchen er beschreibt, was in den Deutschen Familiengerichten passieren kann. Ich kann das, was Herr Blüm so eindringlich beschreibt nur bestätigen.

Ja, es scheint, als sei der Missbrauch von Frauen und Müttern zwingend notwendig in autoritären Systemen um die Macht-Männer und ihre Helfershelfer bei Laune zu halten. Dass es über diesen Missbrauch Annäherungen zwischen angeblich so gegensätzlichen Ideologien wie dem Radikal-Islam a la ISIS, jüdisch-radikalen Siedlern und der amerikanisch-englischen Alt-Right und White Power Nazi-Szene gibt, sollte uns alle aufschrecken. Vielleicht sage ich hier nichts neues, wenn ich darauf hinweise, dass auch viele Radikale in der BRD sich mit dem extremistischen Gedankengut von ISIS & Co sehr wohl identifizieren können, und zumal deren Behandlung von Frauen zustimmen.

Man solle sich genau ansehen, wie konsequent Frauen die Schuld an den Problemen der Welt und den Männern im Besonderen zugeschoben wird – immer wieder, und ganz penetrant, und wie Entwertung funktioniert.  Auf einem (deutschen) Männer-Forum schreibt einer das Folgende: “Frauen sind doch nichts anderes als Zecken im Leben eines Mannes, die ihn aussaugen. Aber seit wann bestimmt die Zecke im Fell des Hundes, wo es langgeht?”. Ähnlichen Wahnsinn kann man überall dort lesen wo Menschen mit extremistischer Gesinnung sich treffen. Wie nur ergeht es Frauen, die mit Männern die derartiges verbreiten eine Beziehung haben? Ergeht es ihnen wirklich anders als Leila und Miriam?

Das Schönste an Hosseinis Roman ist das schöne, traurige Ende und wie er uns “gewöhnlichen” Frauen und zumal den  Musliminnen ein Monument setzt. Frauen erleiden unendlich viel, im Stillen, verborgen und versteckt, und doch überdauern sie als Siegerinnen, in grosser Würde, trotz allen Leids und Elends, mit unendlicher Kraft, wenn sie sich die Liebe in ihren Herzen bewahren. Von dieser Haltung kann man auch als Frau in Deutschland nur lernen. Und an diesen Verweis ist eine ganz klare Warnung meinerseits angeheftet. Wohin steuern wir, wenn die schleichende Ungerechtigkeit gegen Mütter so weitergeht?

„Jede Schneeflocke ist der Seufzer einer gekränkten Frau irgendwo auf der Welt. Alle Seufzer steigen zum Himmel empor, verdichteten sich dort zu Wolken und zerbrechen in winzige Teile, die dann lautlos auf die Menschen herabfallen.“ ~ Khaled Hosseini

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Tausend strahlende Sonnen: Roman von Khaled Hosseini, übersetzt von Michael Windgassen, 2007, Bloomsbury Berlin

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Kirsten Roya Azal - Künstlerin, Bloggerin, Gärtnerin, Heilkundlerin, Geek.

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Auf Englisch:
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