Räuchern im Sufismus und Islam

Räuchern im Islam

“Die Steppenraute hat sowohl als Pflanze, Blatt oder Saat einen himmlischen Geist bei sich, der über sie wacht.” ~ Prophet Muhammed (a.s)

Schon immer verbrannten die Menschen natürliche Substanzen um mit dem Rauch zu säubern, zu heilen und spirituelle Rituale zu begleiten. Die Babylonier gebrauchten Rauch extensiv als Opfergabe wenn sie das göttliche Orakel befragten. Ebenson taten es die alten Germanen und Norsk Stämme, wie auch die Stämme des alten Amerikas und in Austral-Asien. Räuchern verbindet die Welt, denn wo immer sich Menschen niederliessen, war Räuchern Teil der täglichen Kultur. Von den Regionen des Himalaya und des indischen Subkontinents kamen Räucherstoffe und neue religiöse und wissenschaftliche Ideen über die Seidenstrasse in den Iran und Syrien, und von dort nach Arabien und Mekka in den Tagen des Propheten Muhammed (a.s).

“In der islamischen Praxis wird räuchern angewandt um das Haus zu reinigen und eine Person, zusätzlich zum Ghusl (eine extensive religöse Reinigungszeremonie) und Wudu (die rituelle Waschung vor dem Gebet).”

In der islamsischen Praxis wird räuchern angewandt um das Haus zu reinigen und eine Person, zusätzlich zum Ghusl (eine extensive religöse Reinigungszeremonie) und Wudu (die rituelle Waschung vor dem Gebet). Die Details islamischer ritueller Reinigung variieren zwischen den verschiedenen Regionen, lokalen religösen Lehren und den Meinungen der jeweils massgebenden islamischen Gelehrten.

Einige Ethnobotanisten, wie zum Beispiel Christian Rätsch behaupten, dass während der religösen Zeremonien die Menschheit traditionell auch psychoaktive Pflanzen und Substanzen (zum Beispiel bestimmte Harze) anwandte, um visionäre Seinszustände hervorzurufen und die Verbindung zum Göttlichen zu festigen. In der Norsk und Germanischen Tradition wurde das Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) zu diesem Zweck angewandt. Im Iran wird der Esfand aka Syrische Raute, Steppenraute oder Harmal (Peganum Harmal) schon seit vor-Zoroastrianischen Tagen verbrannt. Harmal ist ein natürliches Anti-Depressivum (mit aktiven MAO-Hemmer) und entfaltet in meiner Erfahrung auch im Rauch leichte, psychoaktive, anti-depressive Wirkungen. Es ist ein sehr guter Luft-Reiniger und wirkt hervorragend gegen milde depressive Verstimmungen. Im Iran wird es traditionell gegen “den bösen Blick” angewandt, und wir wenden es an, wenn die Luft zuhause “dick” ist oder sich eine Erkältung ankündigt. Harmal wird überall in der muslimischen Welt angewandt, und sein Rauch wirkt auch gegen Parasiten wie Flöhe oder Läuse und soll angeblich auch eine exzellente Abschreckung gegen die Dschinn sein.

“Der moderne Mensch tendiert dazu sehr unfreundlich zu Körper und Geist zu sein und erwartet schnelle Heilungs-Resultate.”

Ohne an dieser Stelle in die Frage der Dschinn einzugehen, denn dieses Thema bedarf eigener Artikel, möchte ich doch kurz über mentale Stress-Symptome wie Angstzustände, Hyper-Aktivität, Depression, Paranoia, Phobia und Psychosis reden. Solche Zustände können durch Unfälle hervorgerufen werden, sowie durch Elemente der modernen Lebensführung, durch traumatische Erfahrungen sowie durch zuviele und ungeeignete Psychiatrische Medikamente und dem Entzug derselben. Psychische Probleme sind weit verbreitet in unserer Welt. Die Gründe sind vielfältig, könnten aber schlichtweg oft vermieden werden mit einem tieferen Verständnis des Lebens und unseres Geistes, und mehr und besseren Heilern.

Meine generelle Beobachtung in der Behandlung von psychischen Problemen ist, dass der Geist des Menschen gut auf regelmässige Gebete anspricht, auf eine mineralstoffreiche Diät, sowie auf Hijama, Bäder und Räuchern. Diese Behandlungsformen wurden schon von Avicenna (Ibn Sina) bei der Behandlung von psychischen Kranken angewandt, und werden jetzt wieder sehr In, zumal auch in den USA, wo vielen psychisch Kranken und Therapeuten die Einsicht kommt, dass psychiatrische Medikamente viel Schaden anrichten können.

Ich persönlich mag es, Ton oder einfache Erde zu meinen Räuchermischungen zuzugeben, um den Mineralstoffanteil in der Mischung zu erhöhen. Ich will betonen, dass die “Ersten Hilfen gegen Distress” die ich auf diesem Blog anbiete, helfen können akuten Stress und Symptome zu mildern, auf Dauer müssen aber die darunterliegenden Gründe unbedingt mit Therapeuten und Ärzten geklärt werden.

“Den Rauch zu sehen und zu riechen ist immer wieder eine wunderbare, erdverbundene Erfahrung.”

Anleitung zum Sufi-Räuchern:

Wenn Sie räuchern, ist es empfohlen, dass Sie sich selbst und den Raum waschen und vor dem Räuchern selbst kurz beten oder zumindest kurz meditieren. Plazieren Sie Ihre Kräuter bzw die Räuchermischung in einen hübschen, sinngemässen Behälter (eine Muschel zum Beispiel) und entzünden  Sie ein Stück Kohle (Schischa-Kohle eignet sich sehr gut) in einem feuerfesten Behälter oder auf einem Stein. Denken Sie daran, dass die Kohle extrem heiss wird. Geben Sie Ihre Räuchermischung nach und nach auf die entzündete Kohle.

Der Rauch steigt langsam in einer reichhaltigen Duftwolke empor, in welcher Sie sich selbst, den Raum, andere Menschen usw (die Liste ist endlos) waschen können. Den Rauch zu sehen und zu riechen ist immer wieder eine wunderbare, erdverbundene Erfahrung.

Weiterhin kann zum Beispiel eine Feder zum Verteilen des Rauches angewandt werden, dass vertreibt die faden Energien und wischt sie hinweg.

Während des Räuchern beten Sufis und Muslime gerne und rezitieren Gebete und Zikr (auch geschrieben als Dhikr, Anrufungen der Attribute Gottes, die 99 Namen Gottes).

Ein einfaches Räucherrezept:

Ich räuchere gerne in Phasen, was heisst, dass ich Kräuter, Harze und bestimmte Essenzen gerne in einer Reihenfolge verbrenne statt in einer Mischung.

1) natürlicher Kampfer (beruhigt und erfrischt), 1-2 Teelöffel
2) Esfand Samen (Syrian Rue, Steppenraute, Harmal), Sie können Esfand beim Iran Shop kaufen oder online, nehmen Sie  2-3 Teelöffel
3) Etwas trockener Ton oder trockene Erde, 1-2 Teelöffel
4) Jetzt folgt eine Kräuter-Harz Mischung (zum Beispiel getrocknete Rose mit Ambermoschus, oder lokale Kräuter und Harze wie Kiefernharz).

Ich empfehle auch das Verbrennen des Harzes Galbanum, welches ein Zentraasiatisches Harz ist, welches von der Iranischen Pflanze Ferula gummosa stammt. Es ist ein wunderbar weich duftendes Harz, welches immer wieder mit seiner stimmungshebenden Tiefe und Subtilität erstaunt.

In diversen Islamischen Online-Läden, kann man auch fertige Räucherware Namens  Bokhur kaufen. Diese riechen gut, mir ist aber nicht klar, wie diese Waren hergestellt worden sind und ob künstliche Parfümstoffe enthalten sind.

Was ich sehr empfehlen kann, ist Oudh (Adlerholz), was ein sündhaft teures Duftholz ist, welches vorallem im arabischen Raum gerne verbrannt wird, zumal in den Moscheen. Es riecht unglaublich gut und intensiv und ist ein echtes Luxus-Erlebnis.

Roya Azal. Etsy

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Roya Azal

Kirsten Roya Azal - Künstlerin, Bloggerin, Gärtnerin, Heilkundlerin, Geek.

Studio:
http://www.royaazal.net

Auf Englisch:
http://www.theartofislamichealing.com