Art of the Go

Geschichten über Freiheit mit und ohne Kopftuch – Nie waren mir die Feministinnen so fremd wie heute

Die Würde der Frauen (wird immer wieder abgetastet)

In Iran lebte im 19. Jahrhundert eine Frau, Qurrat al-ʿAin, Tahere oder Tahiri genannt. Sie war eine Vorreiterin der Frauenbewegung in Iran, aber nicht eines Feminismus wie man ihn im Westen versteht, sondern eines esoterischen, frauenbewegten Islam shiitischer Auslegung. Tahiri war eine Anhängerin des Bab, einem revolutionären hoch-religiösem Visionär, und sie forderte die geistige Emanzipation der Frauen in Iran. Sie riss sich also im Jahre 1848 öffentlich den Schleier vom Kopf, was allgemeines Entsetzen auslöste. Sie  entschleierte sich nicht um eine “sexuelle Befreiung” der Frauen zu propagieren, sondern um ein Zeichen gegen die Unterdrückung der Frauen und aller  Menschen zu setzen, durch den damaligen Schah Nāser ad-Dīn Schāh, die damals in den Iran eingefallenen Russen, und die machtverliebten Kleriker. Im Jahre 1852 wurde Tahiri zum Tode verurteilt und mit ihrem Schleier erdrosselt.

Es gab viele Versuche Tahiris Leben und Tod für einen Feminismus westlicher Definition einzuspannen. Zumal die anderen Kolonialherren welche Iran heimsuchten – die Briten und mit ihnen ihr “Geschöpf” die Bahai – taten sich hier sehr hervor. Ein Hohn wenn man sich  vor Augen hält, wie autoritär die britische Kolonialmacht weltweit agierte und sich alle moderne staatlich-autoritäre Unterdrückung  immer besonders negativ auf die Situation der Frauen niederschlägt. Unterdrückte Männer tendieren dazu despotische Ehemänner zu sein und in autoritären Systemen werden Frauen dem Mann – entweder schlagartig oder schleichend – rechtlich und sozial Untertan gemacht. Kein Despotismus kommt ohne diese “Entschädigung” aus. Gemäss dem Motto: Wir missbrauchen dich, dafür aber darfst du, Mann, deine Frau und die Kinder missbrauchen. Wo also befindet sich die BRD selbst in Sachen Frauenrechte?

Vielleicht ist ja das Kopftuch über das Schwarzer & Co so wettern, gar nicht das Kopftuch der Musliminnen und der angebliche Faschismus des Islam sondern wirklich der verschleierte Faschismus der unsere Gesellschaft zunehmend durchzieht.

Das Kopftuch: Autoritärer Missbrauch, Populismus, Extremismus

Die lange Geschichte der Welt, der muslimischen Region und Religion ist mit-geprägt von autoritärem Missbrauch und der Schleier/Nicht-Schleier ist ein Ausdruck dieses Missbrauchs. Der Missbrauch drückt sich durch Zwang aus. Durch Zwangsverschleierung und Zwangsentschleierung. Schah Reza riss den Schleier (in Iran: Tschador) in Iran im Jahre 1935 mit Gewalt herunter, die iranischen Revolutionsgarden unter Khomeini zwangen 1979 den Tschador mit Gewalt wieder auf. Hie wie da dominiert autoritäre staatliche soziale Gewalt über Frauen und die gesamte Bevölkerung. Man könnte auch behaupten, dass das Autoritäre in der modernen Form selbst allerlei “populistische Schleier” anzieht um sein wahres Selbst zu verbergen. Vielleicht ist ja das Kopftuch über das Schwarzer & Co so wettern, gar nicht das Kopftuch der Musliminnen ansich, sondern wirklich der verschleierte Faschismus der auch unsere Gesellschaft zunehmend durchzieht. Man wettert populistsch präsent über das Gewand von Hijabi Musliminnen im Speziellen. Aber man wettert ganz und gar nicht über die Behandlung von Müttern. Zumal gar nicht über die Behandlung von Müttern an Familiengerichten.  Viele nicht-muslimische Mütter erzählen mir, sie verständen Musliminnen besser seitdem die Mutterschaft und damit sehr viel Ungerechtigkeit, Ungleichhkeit, Entwürdigung und Isolierung in ihr Leben kam. Das Kopftuch wird von diesen Frauen auf einmal als Ausdruck von Würde gesehen. Wie nur kann das sein? Mir fehlen selbst oft die Worte, die Nebelschwaden zu beschreiben die uns umgeben. Wie nur kann man diesen autoritären Pseudo-Liberalismus beschreiben, der bizarre und grausame Blüten treibt, und welcher Mütter  (und Kinder) vor den Familiengerichten im Namen der Gleichberechtigung fertig macht? Dazu auch dieser Beitrag im Hamburger Abendblatt vom Dezember 2017: https://www.abendblatt.de/hamburg/article212849943/Ich-darf-Mama-nicht-mehr-sehen-warum-ist-das-so.html

Wenn Kinder zum Geldmachen benutzt werden, von Trägern die sich in Jugendämter einklinken, wie weit entfernt sind wir da eigentlich noch vom “offen autoritären Staat”? Wenn man Jugendamtmitarbeiter trifft, die einem nonchalant erzählen, dass sie nebenbei Geld bei einer Pflegekind-Einrichtung machen, wie weit sind wir da eigentlich noch entfernt von autoritärem Missbrauch als Standard-Zustand? Im Sommer 2017 traf ich durch Zufall eine Angestellte vom  Jugendamt Köpenick, welche mir ganz locker erzählte, dass sie bei einem Pflegekind-Träger nebenbei Geld macht. Was soll das? Wie kann das rechtens sein? Und wieso sind derartige Verzahnungen so versteckt? Was noch wird verschleiert in unserer BRD Gesellschaft und von Feministinnen der alten Garde konsequent ignoriert und populistisch effektiv fehl-interpretiert und “dem dunklen Fremden” zugeschoben? Wer oder was ist eigentlich das wirklich “dunkle Fremde”? Was ist dieses komische Gefühl des Grauens das uns umschleicht? Ist das dunkle Fremde nicht wirklich der Faschismus der uns umschleicht und umwirbt und der in Ali und Hassan quasi seinen Proxy für Alice & Co, unsere nationalen Femi-Tanten, gefunden hat? Newsflash: Sie haben uns nichts zu sagen, was uns gegen das tatsächliche Grauen wirklich weiterhelfen könnte.

Art of the Go

Art on the Go, Roya Azal

Entschleierung und Verschleierung

Vom 16. – 19. Jahrhundert wurden muslimische Frauen in Afrika von Sklavenhändlern eingefangen, nackt ausgezogen und gemeinsam mit hunderten anderer Frauen, Kinder, Männer in Schiffen über das Meer in die Sklaverei nach Nord- und Südamerika transportiert. Ihrer Familie, Würde, Freiheit, Unversehrtheit und Identität vollkommen beraubt wollten sie natürlich den Schleier – oder überhaupt irgendein persönliches Kleidungsstück – wieder haben (siehe auch: Servants of Allah, Sylviane A. Diouf, New York University Press).

Diese Erinnerungen – an die Traumen der Sklaverei und des Kolonialismus, der Beraubung allen Menschseins, aller Würde – stecken der gesamten muslimischen Welt bis heute in den Knochen. Und diese Erinnerungen können jederzeit wieder wach gerufen werden. Dieses kollektive Trauma kennt Triggerpunkte und Flash-Backs. Dies widerum wird von Populisten und ihren diversen autoritären Ideen und Systemen schamlos ausgenutzt. Und so weiter. Und so weiter. Heilung solch tiefer Wunden und Verzerrungen braucht Zeit und Vertrauen. Aber wem nur Vertrauen? Feministinnen etwa, die über das Gewand muslimischer Frauen schwadronieren, nicht aber über all die Themen der Globalisierung und des Neo-Liberalismus, die Frauen auch akut in der BRD betreffen? Nie waren mir die Feministinnen so fremd wie heute. 

Die Schleier des Autoritären

Das Autoritäre, Populistische und Faschistoide ist der Fluch der Menschheit und trifft uns alle, auch die Frauen im “offenen Westen”. Wieso reden wir eigentlich darüber nicht? Warum wird so vieles verschleiert? Darüber was den Frauen alles so wiederfährt in der BRD? Auch durch den deutschen Staat? Wie Vergewaltigungsopfer behandelt werden? Kinder? Frauen die aus missbrauchenden Beziehungen aussteigen wollen und von kleinen Diktator-Richtern und Pseudo-Experten an den Amtsgerichten drangsaliert werden und mit Kindesentzug bestraft werden? Warum reden wir so wenig daüber, wie auch unsere deutsche Gesellschaft vom Autoritären untergraben wird? Dass Demokratie ein fortwährender Prozess der Wachsamkeit und Mitmenschlichkeit ist? Haben nicht die Gründerväter und -Mütter der BRD genau das in unser Grundgesetz gepackt? Wachsam zu sein gegen das Autoritäre und Böse? Und die Würde des Menschen zu schützen? Dazu müssen wir aber die Würde und unsere Gesetze auch sehen, anerkennen und verteidigen – jenseits der Schleier.

PS: Meine Urgrosstante, eine fränkische Bäuerin, verliess niemals ohne ihr Kopftuch das Haus. Sowas wäre einfach unschicklich gewesen. Man frägt sich immer wieder worum es bei diesem Streit um das Koptftuch der Musliminnen wirklich geht.

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Nachtrag am 5.1.2018:
“Weisse Scharia”
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-weisse-scharia-faschismus-und-maennlichkeit-15365778-p2.html

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Roya Azal

Kirsten Roya Azal - Künstlerin, Bloggerin, Gärtnerin, Heilkundlerin, Geek.

Studio:
http://www.royaazal.net

Auf Englisch:
http://www.theartofislamichealing.com